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<title>Gesäß</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Gesäß</span></h1>
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<p>Das <b>Gesäß</b> (<a href="Anatomie" title="Anatomie">anatomisch</a> <i>Nates, Clunes, Regio glutea, Regio glutealis</i>, <b>Glutealregion</b>) ist ein nur bei <a href="Mensch" title="Mensch">Menschen</a> und ansatzweise bei <a href="Primaten" title="Primaten">Primaten</a> ausgeprägter <a href="K%C3%B6rperteil" title="Körperteil">Körperteil</a> am unteren <a href="Rumpf_(Anatomie)" title="Rumpf (Anatomie)">Rumpfende</a> am <a href="Anus" title="Anus">After</a>, dem Ausgang des <a href="Mastdarm" title="Mastdarm">Mastdarms</a>. In der topographischen Anatomie wird das Gebiet des Gesäßes als <a href="Regio_glutaea" title="Regio glutaea">Regio glutaea</a> (Gesäßregion) bezeichnet. Bei Tieren nennt man diese Region <a href="Kruppe" title="Kruppe">Kruppe</a>, beim Menschen auch <b>Hintern</b>, <i>Sterz</i> oder lateinisch <b>Podex</b>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anatomie">Anatomie</h2></div>
<p>Das Gesäß ist aus zwei halbkugelförmigen, <a href="Achsensymmetrie" title="Achsensymmetrie">spiegelsymmetrischen</a> <i>Gesäßhälften</i> oder <i>Gesäßbacken</i> aufgebaut, die durch die <a href="Analrinne" title="Analrinne">Analrinne</a> (Rima ani, <i>Crena analis</i>) voneinander getrennt werden. Das Gesäß besteht aus den beiden <a href="Sitzbein" title="Sitzbein">Sitzbeinen</a> <i>(Os ischii)</i> des <a href="Becken_(Anatomie)" title="Becken (Anatomie)">Beckens</a> als knöcherner Grundlage, aus den Gesäßmuskeln <i><a href="Musculus_gluteus_maximus" title="Musculus gluteus maximus">Musculus gluteus maximus</a>, <a href="Musculus_gluteus_medius" title="Musculus gluteus medius">medius</a></i> und <i><a href="Musculus_gluteus_minimus" title="Musculus gluteus minimus">minimus</a></i> und aus ausgeprägten <a href="Fettgewebe" title="Fettgewebe">Fettpolstern</a>. Durch die <a href="Ges%C3%A4%C3%9Ffurche" title="Gesäßfurche">Gesäßfurchen</a> werden beide Gesäßbacken nach unten begrenzt.
</p><p>Der <i>Musculus gluteus maximus</i> ist nach dem Kaumuskel <i>(<a href="Musculus_masseter" title="Musculus masseter">Musculus masseter</a>)</i> der zweitstärkste <a href="Skelettmuskel" title="Skelettmuskel">Skelettmuskel</a> des menschlichen Körpers (es gibt jedoch unterschiedliche Definitionen für Muskelstärke, nach anderen ist der <i>Musculus gluteus maximus</i> der stärkste Muskel). Er verbindet <a href="Darmbeinschaufel" class="mw-redirect" title="Darmbeinschaufel">Darmbeinschaufel</a> und <a href="Kreuzbein" title="Kreuzbein">Kreuzbein</a> mit dem <a href="Oberschenkel" title="Oberschenkel">Oberschenkel</a>, ermöglicht als <a href="Extensor" class="mw-redirect" title="Extensor">Strecker</a> des <a href="H%C3%BCftgelenk" title="Hüftgelenk">Hüftgelenks</a> das <a href="Gehen" title="Gehen">Gehen</a> und <a href="Orthostase" title="Orthostase">Stehen</a> und verhindert ein Überkippen des Beckens nach vorn. Die <i>Musculus gluteus medius</i> und <i>Musculus gluteus minimus</i> verhindern das Absinken des Beckens auf der Seite des <a href="Spielbein" title="Spielbein">Spielbeins</a> beim Gehen und einbeinigen Stehen.
</p><p>Außer der aufrechten Haltung erlaubt das Gesäß dank seiner Fettpolster auch längeres Sitzen. Es stellt nach dem <a href="Abdomen" title="Abdomen">Bauch</a> das größte Fettdepot dar. Die Form und die Größe der Gesäßbacken werden daher weitgehend von der Masse des <a href="Subkutan" title="Subkutan">subkutanen</a> Fetts bestimmt. Seine Menge (ca. ein Drittel bis weit über die Hälfte der Gesäßmasse) hängt in erster Linie vom Geschlecht und vom Ernährungszustand des Körpers ab. Das Fett konzentriert sich an den Hinterbacken als mehrere Zentimeter dicke Schicht unter der Haut, als Fetteinlagerung zwischen den einzelnen Muskelsträngen sowie als Fettkörper im unteren inneren Bereich der Gesäßbacken. Die Tendenz, im Lebensverlauf ein voluminöseres Gesäß zu entwickeln, wird als <a href="Steatopygie" title="Steatopygie">Steatopygie</a> (umgangssprachlich auch als Fettsteiß) bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Soziale_Bedeutung">Soziale Bedeutung</h2></div>
<p>Das Gesäß gilt als <a href="Intimit%C3%A4t" title="Intimität">intimer</a> Körperteil mit starkem <a href="Erotik" title="Erotik">erotischem</a> Reiz für beide Geschlechter, aber wegen der Nähe zum <a href="Anus" title="Anus">Anus</a> auch als unrein. Das <a href="Schamgef%C3%BChl" title="Schamgefühl">Schamgefühl</a> gebietet es in sehr vielen Kulturen, das Gesäß zu bedecken. Die Entblößung des eigenen Gesäßes ist in manchen Kulturen eine Geste, um Protest, Hohn oder Geringschätzung auszudrücken – wie beim <a href="Mooning" title="Mooning">Mooning</a>.
</p><p>Schläge auf das Gesäß sind in vielen Kulturen eine Methode der <a href="K%C3%B6rperstrafe" title="Körperstrafe">Körperstrafe</a>. Dies tritt vor allem im Strafvollzug in Erscheinung, aber auch in sehr umstrittener Weise in der Kindererziehung. Im Englischen (und im Deutschen im <a href="BDSM" title="BDSM">BDSM</a>-Bereich) wird die Züchtigung auf das Gesäß auch als <a href="Spanking" title="Spanking">Spanking</a> bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Andere_Bezeichnungen">Andere Bezeichnungen</h2></div>
<p>Eine veraltende hochsprachliche Bezeichnung für das Gesäß ist <i>Steiß</i>. Sie findet sich heute noch im <a href="Stei%C3%9Fbein" title="Steißbein">Steißbein</a>, dem unteren Fortsatz der <a href="Wirbels%C3%A4ule" title="Wirbelsäule">Wirbelsäule</a>. Es gibt ferner überaus zahlreiche <a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">umgangs</a>- und <a href="Vulg%C3%A4r" class="mw-redirect" title="Vulgär">vulgärsprachliche</a> Ausdrücke für das Gesäß. Das seit dem 17. Jahrhundert belegte <i>Podex</i> ist lateinischen Ursprungs (<i>pōdex</i>, das ablautend zu <i>pēdere</i> ‚furzen‘ gehört<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>). <i>Popo</i> und <i>Po</i> sind vermutlich <a href="Baby_Talk" title="Baby Talk">ammensprachliche</a> Kürzungen aus dem 18. Jahrhundert, zuerst im Nordosten bezeugt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>Popo</i> ist auch der Ursprung für die Redewendung „Setz dich auf deine vier Buchstaben!“
</p><p>Meist vulgär wird der Begriff <i>Arsch</i> verwendet, beispielsweise im <a href="Schw%C3%A4bischer_Gru%C3%9F" title="Schwäbischer Gruß">Schwäbischen Gruß</a> („Leck mich am Arsch“). Er geht auf <a href="Indogermanische_Ursprache" title="Indogermanische Ursprache">indogermanisch</a> <i>*orso-s</i> ‚Hinterer‘ zurück, im <a href="Hethitische_Sprache" title="Hethitische Sprache">Hethitischen</a> <i>arraš,</i> im Griechischen <i>órros,</i> bedeutet aber eigentlich <a href="Anus" title="Anus">Anus</a>, steht also nur <a href="Metonymie" title="Metonymie">metonymisch</a>, als <a href="Pars_pro_toto" title="Pars pro toto">pars pro toto</a>, für das ganze Gesäß. Weitere Bezeichnungen sind <i>Fott</i> (vgl. dazu auch die Etymologie von <a href="Fotze" title="Fotze">Fotze</a>), in den <a href="Alemannische_Dialekte" title="Alemannische Dialekte">alemannischen Dialekten</a> <i>Füdle, Füdli, Füdlech</i> bzw. kindersprachlich <i>Fudi</i> (eine Zusammensetzung von <i>Fud</i> und <i>Loch</i>).<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Norddeutschland ist teilweise die <a href="Niederdeutsche_Sprache" title="Niederdeutsche Sprache">plattdeutsche</a> Bezeichnung <i>Mors</i> geläufig.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Hochdeutschen ist <i>Hintern</i> (mittelhochdeutsch als anatomische Bezeichnung für den äußeren Teil des Podex, auch der <i>hinder;</i> mittellateinisch <i>posteria</i><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) ein neutraler Begriff für das Gesäß, ohne kindlichen oder vulgärsprachlichen Anklang.
</p><p>Eine etwas ironische Bezeichnung mit Anspruch auf feine Sprache ist <i>der Allerwerteste.</i> Der Begriff <i>Sitzfleisch</i> für das Gesäß wird auch als Metapher für Ausdauer und Beharrungsvermögen verwendet.
</p><p>Im Hessischen wird der Begriff <i><a href="Bobbes" title="Bobbes">Bobbes</a></i> verwendet, der aber auch eine feine Backware aus ausgerolltem Mürbeteig oder Hefefeinteig bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kultur">Kultur</h2></div>
<p><i><a href="Leck_mich_im_Arsch" title="Leck mich im Arsch">Leck mich im Arsch</a></i> ist ein sechsstimmiger <a href="Kanon_(Musik)" title="Kanon (Musik)">Kanon</a> von <a href="Wolfgang_Amadeus_Mozart" title="Wolfgang Amadeus Mozart">Wolfgang Amadeus Mozart</a>.
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Bardowicker_Ges%C3%A4%C3%9Fhuldigung" title="Bardowicker Gesäßhuldigung">Bardowicker Gesäßhuldigung</a></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Jean-Luc Hennig: <i>Der Hintern. Geschichte eines markanten Körperteils</i>. vgs, Köln 1998, ISBN 3-8025-2572-8.</li>
<li>Christiane Blass: <i>Der Po</i>. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-8658-3.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Arsch" class="extiw external" title="wikt:Arsch">Wiktionary: Arsch</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Ges%C3%A4%C3%9F" class="extiw external" title="wikt:Gesäß">Wiktionary: Gesäß</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Buttocks?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Gesäß</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Alois_Walde" title="Alois Walde">Alois Walde</a> / <a href="Johann_Baptist_Hofmann" title="Johann Baptist Hofmann">Johann Baptist Hofmann</a>, <i>Lateinisches etymologisches Wörterbuch</i>, Bd. II, Winter, Heidelberg, 1954, S. 273.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Friedrich_Kluge" title="Friedrich Kluge">Friedrich Kluge</a> / <a href="Elmar_Seebold" title="Elmar Seebold">Elmar Seebold</a>, <i>Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache</i>, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 2002 (24. Aufl.), S. 713.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><i><a href="Schweizerisches_Idiotikon" title="Schweizerisches Idiotikon">Schweizerisches Idiotikon</a>,</i> Bd. III, Sp. 1023–1030, Artikel <i>Füd-Loch</i> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://digital.idiotikon.ch/p/lem/117660">Digitalisat</a>); <i><a href="Badisches_W%C3%B6rterbuch" title="Badisches Wörterbuch">Badisches Wörterbuch</a>,</i> Bd. II, S. 246 f., Artikel <i>Füdle;</i> <i><a href="Schw%C3%A4bisches_W%C3%B6rterbuch" title="Schwäbisches Wörterbuch">Schwäbisches Wörterbuch</a>,</i> Bd. II, Sp. 1814–1817, Artikel <i>Füdle;</i> <a href="Christoph_Landolt" title="Christoph Landolt">Christoph Landolt</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.idiotikon.ch/wortgeschichten/fuedli"><i>ds Füdle / s Füdli.</i></a> Wortgeschichte vom 15. Oktober 2025, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><i><a href="Nieders%C3%A4chsisches_W%C3%B6rterbuch" title="Niedersächsisches Wörterbuch">Niedersächsisches Wörterbuch</a>,</i> Bd. VIII, Sp. 528–533, Artikel <i>Mars;</i> <i><a href="Schleswig-Holsteinisches_W%C3%B6rterbuch" title="Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch">Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch</a>,</i> Bd. III, Sp. 876–878, Artikel <i>Mors.</i></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Gundolf_Keil" title="Gundolf Keil">Gundolf Keil</a>: <i>Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes</i> (= <i>Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm.</i> Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: <i>Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes</i>), S. 401 (zu <i>hinder</i>).</span>
</li>
</ol>
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Normdaten (Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4233547-4">4233547-4</a></span> </div>
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